RM58 - Ein Sessel, den niemand vergessen hat. 

Der von Roman Modzelewski (1912 - 1997) im Jahre 1958 kreierte Sessel, ist eine Möbelikone: fesselnd und in seiner Simplizität atemberaubend wurde er hinter den Mauern des kommunistischen Polens vor der Welt verborgen. Nach 60 Jahren kehrt er zurück, um den ihm überfällig zustehenden Ruhm in Anspruch zu nehmen.

Ohne diesen Sesseln würde polkadesign vermutlich noch in den Kinderschuhen stecken. Desto wichtiger ist es uns, die Historie von RM58 zu erzählen.  

Geschichte

Die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts sind das goldene Zeitalter organischer Formen und der Experimente mit neuen Materialien. Dabei rückte vor allem Kunststoff in den Vordergrund. Kreierende auf der ganzen Welt suchten nach einem Design, mit dem sie Stühle und Sessel aus einem einzigen Werkstoff herstellen könnten. Das Konzept basierte darauf, einen sogenannten „Fix Thonet“ zu erstellen, d. h. ein Produkt aus einem Stück Material. Eines der bis heute beliebtesten Designs der Welt ist der unter Bezugnahme auf ein früheres Design von Rietveld hergestellte Pantone Chair (1966) oder der Eames Stuhl aus poliertem Fiberglas (1950). Die neuen Materialien gaben den Designern unbegrenzte Möglichkeiten, Objekte abzuwandeln, was zu den kühnsten Formen von Möbeln führte. Neue Erscheinungsformen waren oft ein Skandal unter den orthodoxen Ästhetikern der Zeit. Heute sind diese Projekte jedoch beliebt und befriedigen den anspruchsvollen Geschmack von Enthusiasten der angewandten Kunst.

 Roman Modzelewski sitzt auf seinem Sessel (Modell RM58),
Foto: Nationalmuseum Warschau,
Quelle: www.vzor.com

Design

Der Sessel RM58 ist eines der ersten polnischen Möbel, welches sich an dem Eames-Stil der 50er Jahre orientiert und aus Kunststoff hergestellt wurde. In Abgrenzung zu anderen Möbelstücken wurde er nicht im Labor einer großen Fabrik gebaut, sondern in einem kleinen Atelier des Designers und Bildhauers Roman Modzelewski. Bei den Materialien entschied sich Modzelewski für Glasfasern und ein expandierbares Harz, mit denen er zuvor bei der Gestaltung von Yachten gearbeitet hatte. Er machte einen Gipsabdruck des Sitzes, formte eine Laminatschale darauf und befestigte dünne Metallbeine in der Struktur. Die Methode war einmalig und konnte somit nicht von polnischen Fabriken wiederholt werden. Es entstand ein Sessel, mit geformten, stromlinienförmigen Formen, wunderschön und doch nicht replizierbar, weswegen sich seine Produktion lediglich auf Prototypen beschränkte.


Der Durchbruch, der hätte sein können

Die Geschichte geht an dem Punkt noch nicht zu Ende. Das Möbelstück wurde kurz darauf vom Architekten und Designer Le Corbusier entdeckt, welcher die Implementierung des Modells in die Serienproduktion in Frankreich vorschlug. Die in Polen zu der Zeit herrschende kommunistische Autorität hatte die Freigabe einer Lizenz jedoch verweigert. Aufgrund mangelnder internationaler Handelsbeziehungen und der Unfähigkeit polnischer Produktionsstätten die Sessel herzustellen, fand eine Zusammenarbeit nicht statt. Der Sessel ist somit nie in die Serienproduktion gegangen.

Roman Modzelewski selbst hat seine Enttäuschung über diesen Zustand nicht verborgen. In einem Interview für "Ekspres Ilustrowany" im Jahr 1958 sagte er über die Situation:

„Meine künstlerischen und technischen Projekte nützen niemandem etwas. [...] es ist vergebliche Arbeit, [...] man werkelt für sich selbst und die interne Genugtuung, weiß dabei gleichzeitig, dass die eigene Arbeit das Potenzial hätte um einen Mehrwert für den Staat, die Gesellschaft und den Schöpfer zu bieten.“

Roman Modzelewski patentierte sein Projekt 1961 und produzierte mit den Methoden der Heimindustrie etwa 100 Sessel, die in den 1960er Jahren in Privathäuser und auf Filmsets gelangen. 

RM58 im Film "Der achte Wochentag" (1958),
Bühnenbild: Marek Hłasko, Foto: "SF KADR"

Film Sci-Fi "Gdzie jesteś Luizo" (1964),
Regisseur: Janusz Kubik, Foto: TVP 1964

Foto: www.vzor.com

Die neue Ära des RM58

Im Jahr 2008, 50 Jahre nach den Ereignissen, erschien der erste große Erfolg des RM58. Der Sessel wurde bei einer Ausstellung mit dem Titel „Cold War Modern: Design 1945 – 1970“ im Victoria & Albert Museum in London präsentiert. Dank einer Auktion erwarb das Museum selbst eines der frühen Prototypen des polnischen Designers. Im Ausstellungskatalog steht der RM58 nun stolz neben dem Eames-Stuhl aus den 50er Jahren und ist mittlerweile auch fester Bestandteil der Museumsausstellung.

60 Jahre nach der Projekterstellung nimmt die Firma Vzor die Produktion des Sessels auf, vergrößert den Sitz um 4 cm und passt ihn so an moderne Anwender in der Technologie des Polyethylen-Retoforming an.

Die Firma Vzor wurde gegründet, um gute alte polnische Möbeldesigns vor dem Vergessen zu bewahren. Der RM58 wurde nun auch um zwei neue Versionen ergänzt: Eine matte und eine weiche. Informationen über die Marke Vzor, sowie die zur Verfügung stehenden Modelle des RM58 Modells finden sie unter folgendem Link (Link). 

Kapelanka Krakau by Medusa 2, Quelle: www.vzor.com

Was wäre passiert, wenn Modzelewski und Le Corbusier zusammengearbeitet hätten? Würde der RM58 Sessel seit langem die Räume unserer Wohnungen schmücken? Würden wir ihn aus der Kindheit kennen? Stand er bei unseren Großeltern und Eltern Zuhause? Wäre er auf alten Fotografien zu finden? Vielleicht wären noch weitere, gleichbedeutende Kreationen von Modzelewski entstanden, vielleicht aber auch nicht. Heute kann der Sessel RM58 in vielen Farben und Ausführungen gekauft werden, und aus eigener Erfahrung können wir nur hinzufügen, dass er ein wohlgeformter, schöner und komfortabler Mitbewohner ist. 

Vzór entstand aus der Leidenschaft für Design und dem Traum, eine Kollektion angelehnt an polnische Möbel Ikonen zu schaffen, zu der sich in Zukunft Projekte herausragender zeitgenössischer Künstler gesellen werden.

Werke, von denen gegenwärtig nur wenige gehört haben und welche bislang lediglich Museumshallen und Ausstellungen geschmückt haben, sollen dank unserem Vorhaben für Design Konsumenten zugänglich gemacht werden. Und dies unter Wahrung der Patent- und Urheberrechte und unter Einsatz modernster Produktionstechnologien.

Die Marke debütierte im Juni 2012 mit der Einführung des Kultsessels von Roman Modzelewski (RM58) in die Serienproduktion. Dank der Technologie des Rotationsformens, die in der polnischen Möbelindustrie bisher nicht angewandt wurde, konnte das historische Modell des Sessels rekonstruiert werden und ist nun in zwei Ausführungen erhältlich: einer matten Version, mit einer Sitzfläche aus in der Masse gefärbtem Polyethylen und der klassischen Version mit einer Sitzfläche aus hochglanzlackiertem Polyethylen. Die präzise entwickelte Form ist eine hundertprozentige Imitation des Originals.

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